Kamele und Einhörner: Was haben diese Tiere mit Start-ups zu tun?

16. September 2022
In der Venture Capital- und Start-up Szene kursieren unzählige Begriffe - seien es Wirtschaftsbegriffe oder metaphorische Ausdrücke. Einer davon sticht jedoch aus der Masse heraus, zumindest was seine Popularität betrifft - das Einhorn bzw. das Unicorn. In letzter Zeit erfreut sich der Begriff so großer Beliebtheit, dass selbst Nicht-Anleger bereits von Unicorn-Start-ups gehört haben. Die Venture-Capital-Fauna bietet jedoch zahlreiche Alternativen zur Unicorn-Strategie - eine dieser Alternativen sind die Camel-Startups.

Unicorns

Der Begriff des "Unicorns", bei uns als auch Einhorn bekannt, stammt aus dem Jahr 2013. In diesem Jahr schrieb Aileen Lee, Gründerin des kalifornischen VC-Fonds Cowboy Ventures, einen Artikel über milliardenschwere Software-Start-ups aus den 2000er Jahren. Da damals die Zahl solcher Unternehmen extrem niedrig war, verglich der Artikel die seltene Chance, ein solches Start-up zu gründen, mit der, das gleichnamige Fabelwesen zu begegnen. Ursprünglich war der Begriff vor allem für Tech-Unternehmen gebräuchlich. In den fast zehn Jahren seit seiner Prägung hat er sich von seiner IT-Wurzel gelöst und wird nun branchenübergreifend für alle nicht börsennotierte Unternehmen verwendet, die eine Bewertung von 1 Milliarde US-Dollar erreichen.

Die Einhorn-Metapher hat auch viele weitere Variationen hervorgebracht, die sich auf die Bewertung eines Unternehmens beziehen. Darunter zählen Decacorn (10 Milliarden US-Dollar), Hektacorn (100 Milliarden US-Dollar) oder sogar Soonicorn, d.h. Start-ups, die das Wachstumspotenzial haben, dem Einhorn-Club beizutreten.

Und auch wenn der Begriff "Einhorn" ausschließlich für Unternehmen vorbehalten ist, die mindestens 1 Milliarde US-Dollar wert sind, steht heutzutage die Einhorn-Metapher für mehr als nur die reine Bewertung. Vielmehr handelt es sich um ein Ethos und eine Philosophie des Gründungsprozesses. Im Fokus dieser Philosophie: schnelles Wachstum!

Die Hauptmittel dazu sind reichlich viel Venture Capital, qualifizierte Mitarbeiter und ein stabiles, förderndes Start-up Ökosystem. Insbesondere im Silicon Valley hat sich dieser Ansatz bewährt, wo reichlich Kapital zur Verfügung steht und der Schwerpunkt auf Wachstum gelegt wird. In letzter Zeit ist dieser Trend zur Venture Capital Finanzierung auch außerhalb des Silicon Valley zu beobachten. So tauchen nun Einhorn-Startups mit einer solchen Geschwindigkeit auf, dass ihre Seltenheit und mythischer Status heutzutage fast schon fragwürdig sind.

Erst vor wenigen Monaten zählte eine Studie1 1.068 nicht börsennotierte Unternehmen mit einer Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar. Und auch wenn die Anzahl von Unicorn-Start-ups weiterhin zunehmen mag, bietet die Start-up-Szene viele weitere Strategien, die das Interesse von Investoren geweckt haben.

Eine dieser Alternativen bietet seinen Investoren eine nachhaltige und resiliente Anlagemöglichkeit, ohne an Wachstumsperspektiven zu mangeln. Und für die Namensgebung dieser Start-ups hat sich die VC-Szene ein weniger zauberhaftes und doch recht exotisches Tier ausgesucht - ein Kamel!

Kamele

Genau wie die echten schlankhalsigen Tiere sind Kamel-Start-ups in der Lage, lange Zeit ohne Nahrung und Wasser zu überleben, der brennenden Wüstenhitze zu widerstehen und sich an extreme Klimaschwankungen anzupassen. Start-up-Kamele können somit als Überlebenskünstler bezeichnet werden.

Sie sind anpassungs- und widerstandsfähig. Ihre Resilienz beruht vor allem auf ein nachhaltig strukturiertes Geschäftsmodell, eine langfristige Perspektive und eine wirtschaftlich agile Organisationsstruktur. Werfen wir also einen genaueren Blick auf die Eigenschaften von Kamelen.

Widerstandsfähigkeit

Kamele können im wirklichen Leben bis zu drei Wochen ohne Wasser überleben, trotz der extremen Hitze und der harschen Wetterbedingungen. Ähnlich können auch die gleichnamigen Start-ups lange Zeiträume ohne zusätzliches Kapital auskommen und dennoch genau das erreichen, was viele andere Unternehmen in ihre Unternehmensstrategie nicht aufgenommen haben: Überleben.

Diese Widerstandsfähigkeit ist vor allem in Bärenmärkte wichtig, wenn die Wertpapierkurse und der Kapitalmarkt allgemein aufgrund des weit verbreiteten Pessimismus und der negativen Stimmung der Anleger fallen. In solchen Zeiten erhöhen die soliden Grundlagen eines Unternehmens und seine Fähigkeit, ohne neue Finanzmittel auszukommen, die Überlebenschancen des Unternehmens.

Außerdem entscheiden sich die Investoren, die in Krisenzeiten noch Kapital bereitstellen, aufgrund der höheren Sicherheit eher für Kamel-Start-ups als für schnell wachsende Unternehmen.

Langfristige Perspektive

Tragfähig sind die Kamele-Start-ups also, weil sie langfristig denken und sich für von Anfang an für ein nachhaltiges Geschäftsmodell entscheiden. Hierfür sollten Start-ups ihr Budget sorgfältig planen und es entsprechend einsetzen. Übermäßige Kosten sollten gesenkt und den Schwerpunkt auf die Effizienz gelegt werden. Der betriebliche Cashflow muss im Auge behalten werden, da das Unternehmen ohne Finanzierung auskommen muss. Es ist von entscheidender Bedeutung, mit einem Minimum an Fixkosten und auf der Grundlage variabler Kosten zu arbeiten, sodass auch bei einem Umsatzeinbruch die Geschäftstätigkeit fortgesetzt werden kann.

Und obwohl Rentabilität immer eine gute Sache ist, wird auch von Kamel-Start-ups nicht erwartet, dass sie vom ersten Tag an rentabel sind. Wichtig ist, dass der Weg zur Profitabilität frühzeitig eingeschlagen wird. So kann das Unternehmen auch ohne zusätzliche Finanzierung überleben, wenn eine Durststrecke in Form einer Krise kommt. Denn Kostensenkungen sind in diesen Fällen oft eine ausreichende Maßnahme.

Ein gutes Beispiel für ein Unternehmen, das sich in diesem Aspekt hervorgetan hat, ist die Videokonferenzplattform Zoom. Im Jahr 2017, bereits zwei Jahre vor dem Börsengang, lag die Burn Rate des Unternehmens bei 0. Damit waren Bruttogewinn und Gesamtbetriebskosten gleich. So machte Zoom in jenem Jahr zwar keinen Gewinn, verlor aber auch keinen einzigen Cent.

Quelle: Stock Analysis

Agile Organisationsstruktur

Echte Kamele sind nicht nur robust, sondern auch anpassungsfähig. Ähnlich müsse Kamel-Start-ups also nicht nur langfristig denken, sondern auch in der Lage sein, sich schnell anzupassen. Wer von Anfang an ein Unternehmen mit einer agilen Struktur aufgebaut hat, wird von Vorteil sein, sobald sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert. Gerade wenn es darum geht, neues Kapital zu gewinnen, ist es oft am Rande von Krisenzeiten oder drohenden Rezessionen schwierig, eine Finanzierungsrunde abzuschließen. Insbesondere schnellwachsende Unternehmen haben es schwer, denn sich die Begeisterung der Investoren für solche Start-ups langsam abkühlt.

In solchen Zeiten profitieren Kamel-Start-ups von ihrer agilen Struktur und relativen Unabhängigkeit von Investoren, denn sie können auch ohne neue Finanzmittel die Krise überstehen.

Profitabilität

Ein wichtiger Bestandteil eines nachhaltigen Geschäftsmodells ist es, Einnahmen zu erzielen und rentabel zu sein. In dieser Hinsicht wählen viele Neugründungen eine Penetrationsstrategie, die Kunden von der Konkurrenz weglockt, indem sie zunächst einen niedrigeren Preis anbieten.

Kamel-Start-ups hingegen verstehen den Preis als eine Produkteigenschaft, welche die Marktposition und die Qualität widerspiegelt. Deswegen berechnen diese Unternehmen ihren Kunden von Anfang an den Wert ihres Produktangebots, anstatt den Preis künstlich zu senken. Dieses Modell garantiert zwar kein schnelles Wachstum, aber es sichert die Rentabilität des Unternehmens und erhöht seine Überlebenschancen. Zugleich werden Bestandskunden nicht durch spätere Preissteigerungen verschreckt.

Wachstum

Wie die Kamele zeigen, geht dieser Fokus auf die Überlebensfähigkeit, jedoch nicht unbedingt auf Kosten des Wachstums. Die Gewinnung neuer Kunden und die Expansion in neue Märkte sind ebenfalls wichtige Meilensteine für Kamel-Start-ups. Sie sind jedoch eher das Ergebnis eines langfristigen Erfolgs als eines aggressiven Wachstumsfokus.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt somit in der richtigen Zeitplanung für das Wachstum und in der Abwägung von Kosten und Risiken. Auch hier dient Zoom als ein großartiges Beispiel. Die Videokonferenzplattform agierte von Anfang an als nachhaltiges Wachstumsunternehmen und nahm nur dann Eigenkapital auf, wenn es unbedingt notwendig war. Heute ist Zoom ein Gigant, der fast 1,3 Milliarden monatliche Besucher weltweit verbucht2. Ein unbestreitbarer Beweis dafür, dass auch Kamele gerne wachsen.

Unternehmensbewertung

Ähnlich wie das Wachstum sind auch große Bewertungen nicht zwangsläufig ein Fremdwort für Kamele. Zahlreiche Start-up-Unternehmen haben durch langfristige Orientierung und eher langsames, aber stetiges Wachstum Milliardenbewertungen erreicht. Die zuvor erwähnte Plattform Zoom war zum Zeitpunkt seine IPO 9,2 Milliarden US-Dollar wert und weist heutzutage eine Marktkapitalisierung von über 32 Milliarden US-Dollar auf. Damit hat das Unternehmen die angestrebte Grenze von 1 Milliarde Dollar erreicht, obwohl sie in den Jahren zuvor „nur“ 276 Millionen US-Dollar an privatem Kapital eingesammelt hat. Und auch wenn der Weg dorthin lang sein mag, sind diese Unternehmen ein Beispiel dafür, dass nachhaltige Geschäftsmodelle viel wert sein können.

All diese Eigenschaften von Kamel-Start-ups machen sie zu stillen und doch vielversprechenden Champions, die mit der Zeit stark und stetig wachsen. Wenn es darum geht, in solche Start-ups zu investieren, bietet die Risikokapitalszene jedoch nicht viele Möglichkeiten für Investoren. Die meisten Risikokapitalfonds konzentrieren sich entweder auf schnell wachsende Unternehmen oder investieren Wachstums-unabhängig.

Ein Beispiel für ein sehr erfolgreiches Kamel-Start-up Portfolio bietet der Kölner VC Fonds STS Ventures.

Für Kamel-Start-up-Enthusiasten hat STS Ventures ein Portfolio von robusten Unternehmen aufgebaut, die aufgrund ihrer bewährten Geschäfte mit stabilen Cashflows ein geringeres Risiko für Investoren darstellen. Die meisten der Unternehmen arbeiten in attraktiven Nischenmärkten mit hohen Gewinnspannen, in denen ein stetiges und starkes Wachstum möglich ist.

STS Venture ist ebenfalls Teil des unseres Artikels "12 Venture Capital Firmen in Deutschland, die man kennen sollte".

1 https://de.statista.com/infografik/7002/wo-die-einhoerner-herkommen/

Inhalt des Artikels

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